Parkimpressionen

Seit jeher dürften Gärten zum unverzichtbaren Bestand des Kromlauer Rittergutes gehört haben. Sie dienten der Versorgung der Herrschaft und des Gutsbetriebes mit Obst, Gemüse und Küchenkräutern. Doch erst als Friedrich Hermann Rötschke im Jahr 1842 Kromlau erwarb, begann die umfassende landschaftliche Ausformung des ausgedehnten Areals. Etwa ab 1844 führte Rötschke erste Arbeiten zur Anlage des Parkes durch. Sicherlich hat ihn dabei das benachbarte Muskauer Vorbild inspiriert. Nach dem Bericht des Chronisten Aisch stellte Rötschke 800 Morgen (etwa 200 Hektar) „zur Ausführung seines Planes bereit. Teiche ließ er graben und Hügel aufwerfen, die er mit Eichen krönte. Seltenes Gehölz aus aller Herren Ländern wurde gepflanzt. Lauschige Plätze mußten mit Standbildern aus mythologischer oder Rokoko-Zeit sich schmücken lassen.“ (Aisch 1909 S. 139).

Die einzige authentische Quelle für den frühen Zustand der Parkanlage ist neben der erhaltenen Substanz ein im Original leider verloren gegangener Plan, der vermutlich aus der Zeit um 1850 datiert. Er zeigt das an die Muskauer Flur grenzende südliche Areal, das von Waldbeständen gerahmt wird, die ein Rundweg erschließt. Im Inneren liegen große Freiflächen (Pferdegarten, Koppel, Alter Englischer Garten), die von den wassergefüllten Senken des Faltenbogens durchzogen und mit einzelnen Baumgruppen besetzt sind. An einigen Stellen ist der rahmende Waldbestand durchbrochen. Die so entstandenen Gehölzränder wurden mit Rot-Buchen-Reihen bepflanzt. Durch diese Gestaltung und die geschickte Ausnutzung der Senken des Faltenbogens hat der Park Großzügigkeit und Tiefenwirkung erhalten, die trotz einiger späterer Veränderungen heute noch faszinieren.

 

Im Zentrum der Anlage befindet sich ein Gebäudekomplex, welcher aus Herrenhaus, Kavalierhaus und „Grüner Villa“ gebildet wird. Um das schlichte Herrenhaus aufzuwerten und einen Blickpunkt für die Parkgestaltung zu erlangen, hatte Rötschke um 1850 den Anbau eines Turms veranlasst. Außerdem entstand in dieser Zeit jenseits der Straße das im Schweizer Landhausstil gehaltene Kavalierhaus. Es ist mit Wandmalereien von Erhard Ludwig Winterstein (1841–1919) geschmückt, von dem auch die Bilder in der Eingangshalle des Herrenhauses stammen. Die Gebäude wurden mit Blumenpflanzungen, ausländischen Gehölzen und zahlreichen Skulpturen umgeben – ganz im Sinne des Pücklerschen Zonierungsprinzips (intensive Ausschmückung der Umgebung der Gebäude, Gestaltungsintensität abnehmend mit der Entfernung vom Gebäude).

Die auffälligste Baulichkeit im Park ist die Rakotzbrücke, die sich im hohen, harmonischen Bogen über den gleichnamigen See spannt. Besonders eindrucksvoll ist die Spiegelung des Brückenbogens im Wasser, wodurch sich eine vollständige Kreisform ergeben kann. Die Brücke datiert vermutlich aus den 1860er Jahren und hat nach Aussagen des Chronisten Aisch „50 Tausend Taler und ein Menschenleben“ gekostet (Aisch 1909, S. 139). Während der etwa zehnjährigen Bauphase und in den ersten Jahren danach wurde die vorwiegend aus Basaltsteinen errichtete Brücke durch hölzerne Stützen gesichert. Als man diese im Jahr 1882 wieder entfernte, kam der aus Gablenz stammende Zimmermann Traugott Wolsch ums Leben. Eine Gedenktafel erinnert heute an sein trauriges Schicksal.

Am Rakotzsee befinden sich weitere Architekturen, beispielsweise die Freitreppe, die von vier quadratischen Sockeln mit Relieffratzen flankiert wird. Gekrönt wird die Treppe von einer Nachbildung des Herkules Farnese, einer der berühmtesten Skulpturen der Antike. Ein weiterer eindrucksvoller Blickpunkt ist die im See hoch aufragende Basaltsäulengruppe, die im Volksmund „Basaltkirche“ oder „Dom“ genannt wird. Die Basaltsäulen ließ Rötschke der Überlieferung nach von weit her holen (Aisch 1909, S. 139). Von der einst figurengeschmückten Grotte am Rakotzsee sind seit ihrem Einsturz im Jahr 1956 leider nur noch Steintrümmer vorhanden. Auch an anderen Standorten im Park hat Rötschke Steinsetzungen zur Akzentuierung von Parkbildern verwendet. Ein Beispiel dafür ist der zwischen Azaleen- und Rhododendronschlucht gelegene „Feldherrensitz“. Weitere bizarre Parkarchitekturen dieser Art finden sich in der Umgebung des Inselteiches mit der „Kanzel“ (auch „Richterstuhl“ genannt) und mit der unlängst sanierten eigenwilligen Grottenarchitektur „Himmel und Hölle“. Außerdem dienten zahlreiche Skulpturen zur Ausschmückung der Parkbilder. Leider wurde dieser reiche Figurenschmuck im Verlauf des 20. Jahrhunderts immer wieder durch Zerstörungen und Verluste beeinträchtigt. Ein großer Teil der erhaltenen Skulpturen konnte in den letzten Jahren restauriert werden.

Friedrich Hermann Rötschke ließ viele gestalterisch anspruchsvolle Pflanzungen vornehmen. Malerische Akzente wurden beispielsweise durch Tulpenbäume, Ess-Kastanien, einen Trompetenbaum, eine Gruppe aus Virginischem Wacholder, Rot-Buchen (in verschiedenen Sorten), Rot-Eichen oder mehrstämmige Linden gesetzt. Im Jahr 1875 gab Rötschke, der laut Überlieferung von Aisch „ein Feind der Ehe doch ein Freund der Frauen war“ (Aisch 1909, S. 139), seinen Besitz auf. Das Kromlauer Gut wurde nach mehrfachem Besitzerwechsel im Jahr 1889 von der Familie von und zu Egloffstein-Arklitten erworben. Der seit Juli 1893 für den Park und die Gärtnerei zuständige Inspektor Georg Wilhelm Eugen Eichler (1859–1929) begann etwa ab Mitte der 1890er Jahre, zahlreiche Rhododendren in den Kromlauer Park zu pflanzen. Da sich der Boden in den torfhaltigen Senken des Muskauer Faltenbogens besonders gut für deren Kultur eignet, gediehen die Pflanzungen prächtig. Auch viele Nadelgehölze und dendrologische Besonderheiten prägten, dem Zeitgeschmack folgend, jetzt den Charakter der Anlage (Eichler 1908, S. 284 ff). Darüber hinaus wurden zahlreiche Rot-Eichen gepflanzt, die sich rasch vermehrten. In dieser Zeit wurde auch mit der Gestaltung des Neuen Englischen Gartens im westlichen Teil der Anlage begonnen.

* Broschüre “Rhododendronpark Kromlau” - Auszüge - Kathrin Franz - Landschaftsarchitektur Franz