Parkimpressionen

Eine botanische Exkursion durch den Rhododendronpark Kromlau
von Fritz Nowusch

Die ältesten Gehölze sind zur Zeit des damaligen Besitzers Friedrich Herrmann Rötschke um 1845 bis 1870 gepflanzt worden. Viele davon sind noch vorhanden.

Die erste Parkerneuerung gab es nach 1890 unter Graf von und zu Egloffstein und seinem Parkinspektor Georg Eichler, der 1892 Gründungsmitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft war. Er brachte die Rhododendron und viele andere seltene Gehölze nach Kromlau. Die Rhododendron wurden hier gärtnerisch vermehrt und in Umlauf gebracht.

Seit dem Herbst 2010 gibt es einen neuen Parkführer durch den Rhododendronpark Kromlau, herausgegeben durch die Gemeinde Gablenz. Die Autoren sind die Landschaftsarchitektin Katrin Franz aus Leipzig und den botanischen Rundgang beschreibt Rudolf Schröder aus Dresden. Er war langjähriger Technischer Leiter des Botanischen Gartens in Dresden. Dazu gibt es eine Karte mit der Wegeführung und die Nummerierung besonderer Gehölze und Pflanzen.

Beginnen wir mit der Erwähnung älterer, besonderer Gehölze. Dazu gehört die prachtvolle Gruppe von ca. 150-jährigen Tulpenbäumen (Liriodendron tulipifera). Beeindruckend sind die tulpenähnlichen Blüten im Juni. Dadurch, dass diese Baumgruppe freistehend ist, reichen einige Äste bis in Augenhöhe herunter, so dass man die Blüten bewundern kann. Ein weiterer Höhepunkt ist ihre leuchtend gelbe Herbstfärbung.

In der gleichen Altersgruppe gibt es mehrere Geschlitzblättrige Rot-Buchen (Fagus sylvatica 'Laciniata') sowie Hänge-Buchen (Fagus sylvatica 'Pendula'), Blut-Buchen (Fagus sylvatica 'Purpurea') und Schlitzblättrige Sommer-Linden (Tilia platyphyllos 'Laciniata').

Bei 100- bis 120-jährigen Gehölzen, die von dem Gärtner und Dendrologen Georg Eichler eingebracht wurden, sind viele seltene und interessante Bäume und Sträucher dabei.

Hier sollen als erstes die Rhododendren erwähnt werden. Sie sind die Charakterpflanzen des Kromlauer Parkes geworden. Die große Masse sind Rhododendron ponticum und viele Hybriden davon. Über die Herkunft ist nichts Schriftliches bekannt, aber es liegt nahe zu vermuten, dass es sächsische Züchtungen der Firma Seidel aus Grüngräbchen sind.

Ein besonderer Höhepunkt ist alljährlich im Mai die Blüte von tausenden Pflanzen der gelbblühenden Pontischen Azaleen (Rhododendron luteum), die in Osteuropa bis zum Kaukasus natürlich vorkommen. Sie verströmen einen starken süßlichen Duft.

Zu den reinen Wildarten gehören ferner die vor den Pontischen Azaleen, rosa blühenden Rhododendron vaseyi. Zwei aus der Anfangszeit noch vorhandenen Echte Alpenrosen (Rhododendron ferrugineum) sowie einige nachgepflanzte, zieren ein Ufer des Inselteiches. Dazu gehören auch Rhododendron smirnowii aus Georgien und Rhododendron viscosum mit duftenden weißen Blüten im Juni.

Bei den Eichen gibt es einige nicht alltägliche Sorten, wie die mit gelben Blättern austreibende Amerikanische Rot-Eiche (Quercus rubra 'Aurea'), die Färber-Eiche (Quercus velutina) oder die Sumpf-Eiche (Quercus palustris).

Zwei Exemplare einer wohl nur noch in Kromlau vorkommenden Ahorn-Naturhybride (Acer x dieckii), erst seit 1886 bekannt, gibt es hier. Interessant ist bei einem Exemplar, dass die Veredelung auf Acer platanoides erfolgte und irgendwann die Unterlage ausgetrieben und weiter gewachsen ist, so dass nun zwei verschiedene Ahorne aus einem Wurzelstock wachsen. Ein recht seltener Ahorn ist der Bergahorn ‚Prinz Handjery’ (Acer pseudoplatanus 'Prinz Handjery'), die Blätter sind oberseits gelb, unterseits rot. So hat schon mancher Parkbesucher gemeint aus der Ferne eine baumförmige Azalee zu sehen. Mehrere Rot-Ahorne (Acer rubrum) geben mit roter Laubfärbung im Herbst einen Höhepunkt.

Unter den Nadelgehölzen (Coniferen) gibt es Massenpflanzungen der Weymouths-Kiefer (Pinus strobus). Weiter sind starke Exemplare der Douglasie (Pseudotsuga menziesii), der Kanadischen Hemlocktannen (Tsuga canadensis) und der Kolorado-Tanne (Abies concolor) vorhanden.

Bemerkenswert ist eine ca. 900 m² große Gruppe vom Sadebaum (Juniperus sabina), ein 1 bis 2 m hoher Strauchwacholder, in der Nähe des Kavalierhauses.

Die Gehölze im Park sind zum Teil alt und langlebiger als die Bodenpflanzen, die schneller auf Standortänderungen reagieren. Dennoch gibt es in diesem Park eine Vielzahl von seltenen und geschützten Pflanzen. Durch den Muskauer Faltenbogen ist hier eine abwechslungsreiche Landschaft mit vielen Biotopen und deren charakteristischen Pflanzen entstanden.

Seit einigen Jahren bemühen sich Fachkundige um die Auffindung vieler bisher nicht erfasster Pflanzenarten und was in einem Park noch wichtiger ist, die Erhaltung dieser Pflanzen. Es muss nicht alles dem Rasenmäher oder Freischneider zum Opfer fallen. Wir wollen keinen gepflegten englischen Rasen, zum Leidwesen einiger Besucher, zur Freude vieler anderer, die es mögen viele Pflanzen in Blüte und bis zur Samenreife zu erleben.

Beginnen wir mit einer Pflanze, die mir Kopfschmerzen bereitet. Die Berg-Aster (Aster amellus) wurde schon 1924 im Heimatbuch des Kreises Rothenburg als in Kromlau vorkommend beschrieben. Um 1966 waren nur noch wenige Quadratmeter vorhanden, weil ca. 1930 die Sichtachse, wo sie wächst, mit der Weymouths-Kiefer zugepflanzt wurde. Diese Pflanzung haben wir 1968 entfernt. 30 Jahre danach hat sich der Bestand erholt und hat jetzt ca. 500 m² Fläche erobert. Ein herrliches Erlebnis im Spätsommer und Herbst. Ein Wermutstropfen ist dabei, es ist nicht die Berg-Aster, sondern die Schöne Aster (Aster spectabilis), die ich allerdings in keiner bekannten Literatur finden konnte. In Kromlau gedeiht diese Aster seit 100 Jahren und erfreut viele Menschen. Möge ein besserer Pflanzenkenner das Problem lösen helfen. Ich bin Praktiker, will dazu beitragen diese Art zu erhalten.

Nun zu weiteren Pflanzen auf den Wiesenflächen um das Kavalierhaus. Dazu gehören die Grasnelke (Armeria maritima), die Heide-Nelke (Dianthus deltoides), Milder Mauerpfeffer (Sedum mite) und Große Fetthenne (Sedum maximum). Ein Frauenmantel (Alchimilla) kommt an mehreren Plätzen vor, ist aber noch nicht genau bestimmt. Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), Teufelsabbiss (Succisa pratensis) - Blütezeit August-September. Ebenfalls hier: die Quentelseide (Cuscuta epithymum), eine schmarotzende Pflanze. Die Wiesenflockenblume (Centaurea jacea) bringt Farbe in die Wiese. Erst 2009 wurde die recht seltene Kassuben-Wicke (Vicia cassubica) gefunden.

Im Umfeld vom Rakotzsee ist ein interessantes Feuchtbiotop mit Strauß-Felbrich (Lysimachia thyrsiflora), Wasserfeder (Hottonia palustris) und Fieberklee (Menyanthes  trifoliata) zu finden.

Am Damm vom kleinen Rakotz stehen die Steife Segge (Carex elata) und das Sumpfblutauge (Pontentilla palustre).

Im Wasser des Rakotzsee macht sich das Verschiedenblättrige Tausendblatt (Myriophyllum heterophyllum), ein Neophyt aus Nordamerika, überaus breit und stört die Widerspiegelung der Rakotzbrücke im Wasser. Es muss gelegentlich eingedämmt werden.

Auf der Freifläche am kleinen Kromlauer Weg ist wieder ein Bestand des Gemeinen Teufelsabbiss und der Deutschen Goldrute (Solidago virgaurea) zu sehen. Ebenfalls vorhanden sind die Bärenschote (Astragalus glycophyllos) und das Große Zweiblatt (Listera ovata).

Den Damm überquerend am Weg zum Eichenhügel wächst die Berg-Arnika, Berg-Wohlverleih (Arnica montana) und die Gewöhnliche Kreuzblume (Polygala vulgaris).

Am südlichen Hang des Eichenhügels kommt eines von drei Vorkommen der Niedrigen Schwarzwuzel (Scorzonera humilis) vor.

Das nächste Ziel ist unser wertvollstes Biotop, der sogenannte Seerosenteich. Neben einem kleinen Schwarz-Erlenbruch stehen der Sumpf-Porst (Ledum palustre) und die Glocken-Heide (Erica tetralix). Im Torfmoos wächst der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) eine geschützte fleischfressende Pflanze, eine weitere solche ist der wurzellose Südliche Wasserschlauch (Utricularia australis). Auch hier zu finden, der Zwerg-Igelkolben (Sparganium natans) und das Sumpfblutauge.

Am Nixenteich finden wir wieder die Niedrige Schwarzwurzel, den Deutschen Ginster (Genista germanica), Kassuben-Wicke und unseren einzigen Gemeinen Wacholder (Junipervus communis) im Park.

Wer den Rippenfarn (Blechnum spicant) sehen möchte, sollte ihn bei der sogenannten „Kanzel“ mit mehreren Exemplaren finden.

Die Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) und der Sumpf-Porst sind im Moorpfuhl vorhanden.

Zum Schluss ein Zitat aus dem neuen Parkführer:

„Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Kromlauer Park nicht nur als Denkmal der Gartenkunst beeindruckt. Er ist als Rückzugsgebiet für seltene Pflanzen die mit Abstand wertvollste Anlage in Sachsen.“